Tour Barock... entdecken Sie die Stationen der BarockStraße.

Pfalz-Zweibrücken

Das Herzogtum Pfalz-Zweibrückens entstand 1410 durch Erbteilung der kurpfälzischen Territorien. Stephan, der dritte Sohn des Kurfürsten Rupprecht III. aus dem Fürstenhause Wittelsbach (als deutscher König Rupprecht I.), erbte die ehemalige Grafschaft Zweibrücken, welche die Kurpfalz erst 1385 von den verarmten Grafen von Saarbrücken gekauft hatte und die nun zum selbständigen Herzogtum Pfalz-Zweibrücken erhoben wurde. Den Herzögen gelang es bis zum faktischen Ende des Fürstentums 1793 nicht, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet zu schaffen. Ihr Streubesitz beinhaltete neben der Kernregion um die Residenzstadt Zweibrücken auch Ländereien an der Nahe, der Mosel und im Elsass. Das Herzogtum ging bereits sehr früh zum protestantischen Glauben über. 1533 wurde die lutherische Lehre eingeführt, 1588 erfolgte der Wechsel zum reformierten Katechismus. Nach einem Jahrhundert von Kriegen, Zerstörung, Hunger und Seuchen waren es schwedische Beamte, die das Herzogtum Anfang des 18. Jahrhunderts erneut aufbauten und damit die Grundlage für eine Blütezeit im Zeitalter des Barocks legten. Der schwedische König Karl XII., ein Wittelsbacher, war durch Erbfolge zwei Jahrzehnte lang Herzog von Pfalz-Zweibrücken und ließ das ihm zugefallene Territorium fortschrittlich verwalten, wieder aufbauen und modernisieren.

Mit der Schwedenzeit ist der Name des vertriebenen Polenkönig Stanislaus Leszczynski eng verbunden. Ihm hatte der schwedische König Karl XII. in den Jahren 1714 bis 1719 Asyl in Zweibrücken geboten. was durch den damit verbundenen hohen finanziellen Aufwand die Staatskasse stark belastete und den Aufschwung des Herzogtums beeinträchtigte. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Landsitz Tschifflick, den er sich im barocken Baustil vor den Toren der Stadt 1715 von Jonas Erikson Sundahl bauen ließ. Nachdem Leszczynski Zweibrücken verlassen hatte, verfiel die Anlage mehr und mehr, die Gebäude wurden von den französischen Revolutionstruppen zerstört.
Der von den schwedischen Statthaltern begonnene Wiederaufbau und Ausbau der Stadt wurde nach dem frühen Tod des kinderlosen Karls XII. durch dessen Nachfolger, Herzog Gustav Samuel Leopold (1718-1731) aus der Linie Zweibrücken-Kleeburg, weitergeführt. Zweibrücken hatte nun nach fast einem halben Jahrhundert wieder einen regierenden Herzog innerhalb seiner Mauern. Als repräsentative Residenz ließ er sich von dem späteren Baudirektor Jonas Erikson Sundahl (1678-1762) im nördlichen Teil der alten Schlossanlage ein neues Schloss im Stile des nordischen Barock bauen. Das Residenzschloss wurde zu einem Wahrzeichen der Stadt und prägt trotz zweier Zerstörungen (1793 und 1945) heute wieder das Stadtbild.

Seine unbestrittene wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit erlebte das Herzogtum unter den Herzögen aus der Linie Birkenfeld-Bischweiler-Rappoltstein, die 1733 an die Herrschaft kam, vor allem unter Christian IV. (1735-1775). Diese wittelsbachische Nebenlinie hatte ihre Stammgüter im Elsass und unterstand mit diesen Besitzungen der französischen Lehnshoheit. Dies führte dazu, dass sich das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken unter Christian IV. politisch und kulturell stark an Frankreich orientierte. Christian IV. schloss 1751 einen Freundschaftsvertrag mit König Ludwig XV. von Frankreich, mit dem er auch persönlich gut befreundet war, und erhielt dafür jährlich hohe Subsidiengelder, mit denen er seine Parisaufenthalte, aber auch seine Zweibrücker Projekte finanzierte. Eine intensive, langandauernde Freundschaft verband ihn mit der Marquise von Pompadour, der Maitresse des Königs, die wesentlichen Einfluss auf die Politik nahm.

Christian IV., ein weltoffener, kulturbegeisterter Fürst, versuchte während seiner gesamten Regierungszeit etwas vom Glanz des französischen Hofes von Versailles in seine eigene Residenzstadt zu holen. Er beschäftigte Kunsthandwerker, förderte eine eigene Malerschule, Architekten und Hofgärtner. Besonders das Ausmaß der barocken Schlossgärten ist heute kaum mehr nachvollziehbar. Großzügige Gartenanlagen in unterschiedlicher Gestaltung zogen sich kilometerweit am Schwarzbach entlang.

Von besonderer Bedeutung für das Stadtbild ist bis heute die von Christian IV. geplante und errichtete Herzogsvorstadt. Zur Verschönerung der Stadt, aber auch um repräsentative Wohnungen für seine Beamten zu schaffen, versprach der Herzog jedem Steuerfreiheit auf 40 Jahre, der nach den Plänen seines Hofbaumeisters J. C. L. Hautt, der bereits 1756 den Barockturm der Alexanderskirche geschaffen hatte, in der neuen Vorstadt ein Haus errichten würde. Als sich dennoch nur wenige Bauwillige fanden, verfiel er auf die Idee, die übrigen Gebäude selbst zu bauen und die Baukosten durch eine Lotterie zu finanzieren. Beamte und Kommunen wurden zum Kauf von Losen gezwungen, als Hauptgewinn lockte bei jeder Ziehung ein Haus in der neuen Vorstadt. Der Herzog selbst gehörte auch zu den glücklichen Gewinnern. Er schenkte das Haus jedoch seinem Hofmaler Christian von Mannlich, der mit seiner Familie in dem Haus bis zu seiner Flucht vor den Revolutionstruppen 1793 lebte. Seit 1985 gehört das Mannlichhaus, Herzogstr. 8, der Kulturgutstiftung Gehrlein-Fuchs, die hier eine Mannlich-Gedenkstätte eingerichtet hat. Ein Teil des Vogelwerkes von Mannlich ist dort ausgestellt. Das Haus Herzogstr. 9, das von Hofgärtner Petri gebaut wurde, beherbergt das Stadtmuseum.

Christian IV. trug im Sinne des Merkantilismus aktiv zur Entwicklung der Wirtschaft und zur Förderung des Wohlstandes in seinem Land bei. In dem überwiegend agrarisch strukturierten Herzogtum förderte er die Landwirtschaft insbesondere durch zahlreiche Hofgründungen und die Einführung neuer Methoden in Ackerbau und Viehzucht. Ein besonderes Anliegen war ihm die Pferdezucht, die er durch die Gründung eines Landgestütes im Jahr 1755 erfolgreich vorantrieb. Bereits 1783 hatte das Zweibrücker Pferd einen solch guten Ruf, dass Friedrich der Große für sein Gestüt Trakehnen 150 Hengste und eine größere Anzahl an Zuchtstuten ankaufte.
Darüber hinaus betrieb der Herzog als Unternehmer im modernen Sinne mit unterschiedlichem Erfolg Manufakturen als neuartige „Fabriquen“ mit hochgradiger Spezialisierung und Arbeitsteilung z.B. im Textilsektor. Kein langfristiger Erfolg war der von ihm geförderten Porzellanmanufaktur beschieden, die, da ohne ausreichenden Absatzmarkt, wieder schließen musste, als mit Christians Tod die herzoglichen Subventionen entfielen. Aufgrund seiner kurzen Produktionszeit von acht Jahren (1767 – 1775) sind Zweibrücker Porzellane sehr selten überliefert und damit zu einem wertvollen Sammlerobjekt geworden. Die größte Sammlung befindet sich heute im Stadtmuseum Zweibrücken.

Christians Nachfolger Karl II. August setzte in vielen Punkten die Politik seines Onkels nicht fort. Sein Name ist vor allem mit dem Bau des nach ihm benannten Karlsbergs verbunden, eines der größten Landschlösser Europas, gelegen auf einem Bergrücken zwischen Zweibrücken und dem seit 1755 zweibrückischen Homburg. Die Stadt Zweibrücken verlor bereits durch den Umzug des Herzogs 1777 auf den Karlsberg den herzoglichen Hof, 1778 wurde der Karlsberg offiziell zur Residenz erklärt.
Der Bau des Schlosses Karlsberg ist ursächlich mit einem Erbfall verbunden, den die wittelsbachische Linie Pfalz-Zweibrücken seit den 1770er Jahren erwartete: In dieser Zeit kristallisierte sich heraus, dass der bayerische Kurfürst Maximilian III. Joseph voraussichtlich ebenso ohne legitime Nachkommen bleiben würde wie der pfälzische Kurfürst Karl Theodor. Beide Fürsten setzten sich 1771 gegenseitig als Erben ein. Als Max III. Joseph am 30. Dezember 1777 als erster starb, war das Patent zur Regierungsübernahme Karl Theodors bereits vorbereitet. Die beiden wittelsbachischen Teilstaaten Pfalz und Bayern wurden zum Kurfürstentum Pfalz-Bayern zusammengefasst. Da auch der immer kränkliche Carl Theodor keine legitimen Nachkommen hatte, war es nur eine Frage der Zeit, dass Pfalz-Bayern der Linie Zweibrücken zufallen musste. In Erwartung dieses Erbfalls baute sich Karl II. August ganz im Sinne des Absolutismus eine standesgemäße Residenz. Schließlich hoffte er, einmal über das drittgrößte Herrschaftsgebiet des Reiches zu gebieten. Herzog Karl II. August sollte den erwarteten Erbfall nicht erleben, er starb 1795 im rechtsrheinischen Exil, vier Jahre vor seinem Onkel Karl Theodor. Seinen prächtigen Karlsberg gab es damals schon nicht mehr. Am 9. Februar 1793 war Herzog Karl II. August vor den heranrückenden französischen Revolutionstruppen über den Rhein geflohen, am 28. Juli plünderten und verbrannten diese das Schloss. Das gleiche Schicksal erlebte der herzogliche Besitz in der Stadt Zweibrücken: Das Stadtschloss, das Schlösschen der Gräfin von Forbach, der morganatischen Ehefrau von Christian IV., die Orangerie, die Schlossgärten und die Anlage von Tschifflick fielen den Revolutionstruppen zum Opfer und wurden zerstört. Das Ende des Herzogtums war eingeläutet.

Den erwarteten Erbfall erlebte erst Karl Augusts Bruder Maximilian Joseph. Als Kurfürst Karl Theodor am 16. Februar 1799 starb, erbte der im Exil lebende Max Joseph die Kurfürstenwürde von Pfalz-Bayern, auch wenn er vorerst auf die linksrheinischen Gebiete, die seit 1793 französisch besetzt waren, verzichten musste. Die linksrheinische Pfalz wurde Max Joseph, der 1806 zum 1. bayerischen König aufgestiegen war, auf dem Wiener Kongress 1815 zugesprochen, als die Fürsten Europas versuchten, nach der Niederlage Napoleons Europa nach dem Prinzip der Legitimität neu zu ordnen. Bayern und die Pfalz wurden damit noch einmal für mehr als ein Jahrhundert unter dem wittelsbachischen Herrscherhaus vereinigt. Die endgültige Trennung der beiden Länder erfolgte erst mit der Gründung des Landes Rheinland-Pfalz 1946.

Bildbeschreibung
Bildbeschreibung
Bildbeschreibung