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Nassau-Saarbrücken

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gilt gemeinhin als Flickenteppich vieler größerer, kleinerer und kleinster Herrschaften sowie freier Reichsstädte.

Ein eindrückliches Beispiel dafür bietet das Haus Nassau. Bis ins 10. Jahrhundert reicht das Geschlecht zurück, das seinen heutigen Namen aber erst von der an der unteren Lahn um 1125 erbauten Burg Nassau erhielt. Die Brüder Otto und Walram teilten die Grafschaft 1255 im wesentlichen entlang der Lahn in eine nördliche Hälfte, die Otto erhielt, und eine südliche, die an Walram fiel. Seither spricht man von einer ottonischen und einer walramschen Linie des Hauses Nassau.

Die zahlreichen Erbfälle und Erbteilungen verzweigten beide Linien. Im Jahre 1516 spaltete sich eine Linie vollständig von der ottonischen Linie ab und nannte sich  nach der Heirat des Fürsten mit Claudia von Chalon und Orange (=Oranien, ein Fürstentum an der südlichen Rhône) Nassau-Oranien; bekannt wurde Wilhelm der Schweiger, der erste Generalstatthalter der Niederlande und der „Wilhelmus von Nassauen“ aus der niederländischen Nationalhymns. Er und seine Söhne führten die Niederlande im Befreiungskrieg von 1568 bis 1648 in die Unabhängigkeit von Spanien; sein Urenkel wurde 1688 als Wilhelm III. König von England.

Nachdem um 1730 die einzelnen dynastischen Linien ausgestorben waren, war der gesamte Besitz  der walramschen Linie  vereinigt worden. Unter der Regentschaft der Fürstin Charlotte Amalie teilte man ihn unter ihren noch nicht volljährigen Söhnen Karl und
Wilhelm-Heinrich (1718-1768) auf. Die rechtsrheinischen Gebiete erhielt der ältere und gerade als volljährig erklärte Karl, die linksrheinischen der jüngere Wilhelm-Heinrich.

Im Jahre 1741 trat Fürst Wilhelm-Heinrich die Erbfolge in Nassau-Saarbrücken an, und damit begann für das Territorium eine neue Blütezeit. Der Fürst verpflichtete Friedrich Joachim Stengel als Generalbaudirektor, baute mit dessen Hilfe Saarbrücken zu einer glanzvollen Residenz aus, förderte im Rahmen seiner merkantilistischen und auf Autarkie gerichteten Wirtschaftsbestrebungen den Bergbau und das Hüttenwesen, suchte eine eigene Salzversorgung aufzubauen und setzte sich im Rahmen einer verbesserten Agrarwirtschaft, ganz nach dem Vorbild Friedrich des Großen, für den Anbau von Kartoffeln ein.  In der ehemaligen Residenzstadt Ottweiler begründete er eine Porzellanmanufaktur.

In kluger Einschätzung der gegebenen Machtverhältnisse auf dem europäischen Kontinent verfolgt Wilhelm-Heinrich konsequent eine Politik der Loyalität gegenüber dem Heiligen Römischen Reich und der gleichzeitigen Pflege freundschaftlicher Beziehungen zur französischen Krone, die nach seinem Tod von seinem Sohn Fürst Ludwig (1745-1794) weitergeführt wurde, was diesem jedoch gegen Ende des 18. Jahrhunderts zum Verhängnis werden sollte.

Die französische Revolution veranlasste 1793 die linksrheinischen Landesfürsten ihre Heimat zu verlassen. So musste auch der damals schwerkranke Fürst Ludwig mit seiner zweiten Frau Catharina Reichsgräfin von Ottweiler und den gemeinsamen Kindern und seinem Sohn aus erster Ehe mit  Fürstin Wilhelmine (1751-1780), Erbprinz Heinrich (1768-1797), ins Exil. Der Tod Heinrichs von Nassau-Saarbrücken, der sich seit 1793 im Exil befand, und die kurz darauf erfolgende Einrichtung des französischen Saar-Departements, markierten den endgültigen Untergang des Fürstentums Nassau-Saarbrücken.

Damit ging eine Epoche zu Ende, die in der historischen Identität unserer Region bis heute nachwirkt.

 

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