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Zweibrücken

Herzogsvorstadt

Im Jahre 1756 beschloss Herzog Christian IV. (1722-1775) den Bau einer neuen Vorstadt als wesentlichen Schritt zur Verschönerung seiner Residenzstadt. Er ließ noch im gleichen Jahr das damals noch unbebaute Gartenland vor dem Unteren Tor, außerhalb der alten Stadtmauer, nördlich des Schwarzbaches erwerben und in Bauplätze und Straßenzüge einteilen. Dann bewilligte er Steuerfreiheit auf 40 Jahre denen, die nach den Plänen des Baudirektors Hautt dort Wohnhäuser errichteten. Es fanden sich jedoch nur wenig Bauwillige. Als 1770 erst drei Häuser erbaut waren, beschloss der Herzog, die übrigen Gebäude selbst zu erbauen und die Baukosten durch eine Lotterie zu finanzieren.

Die Häuserlotterie

Im 18. Jh. war es allgemein üblich durch Lotterien die Finanzierung von Krankenhäusern, Kirchen oder anderen sozialen Zwecken zu ermöglichen. Beide Kirchen tolerierten und unterstützten dies.

An der Zweibrücker Häuserlotterie mussten sich alle Beamten und Gemeinden des Herzogtums beteiligen. Sie wurden gezwungen, für jede Ziehung Lose zu einem Stückpreis von vier Gulden abzunehmen. Widerstand gegen diese Loskaufverpflichtung wurde oftmals geleistet.
Neben zahlreichen Geldgewinnen waren als Hauptgewinne bei jeder Ziehung jeweils ein ganzes und zwei halbe Häuser in der neuen Vorstadt ausgesetzt. Auswärtige Gewinner erhielten zusätzlich das freie Einzugsrecht in die Stadt Zweibrücken. Die ursprünglich geplanten zwei Ziehungen jährlich, konnten nicht durchgeführt werden. Ziehungen fanden 1771, 1772, 1774, 1780 und 1788 statt. Die Lotterie wurde also auch unter Herzog Karl II. August (1775-1795) fortgesetzt. Die Ziehung der Gewinner wurden jeweils über mehrere Tage im Rathaus unter Aufsicht der herzoglichen Leibgarde durch Waisenkinder durchgeführt.

Die Platzanlage

Baudirektor Johann Christian Ludwig Hautt gestaltete den Herzogplatz und die anschließende Herzogstraße mit einer Abfolge gleichartiger zweigeschossiger Häuser mit Mansarddächern im Barockstil.
Die siebenachsigen Häuser am Herzogplatz und zu Beginn der Herzogstraße haben flache, dreiachsige Mittelrisalite mit Balkonen. Zwischen den Putzflächen finden sich gequaderte Lisenen und Gesimse. Über den Portalen springt ein auf drei großen, reich gezierten Konsolen ruhender Balkon mit schmiedeeisernen Gittern hervor. Die Portale wurden ursprünglich durch Freitreppen betont, die jedoch später alle durch einfachere Treppen ersetzt wurden.
Im hinteren Teil der Herzogstraße finden sich fünfachsige Häuser, die etwas einfacher als die siebenachsigen ausgebildet sind.
Der ursprünglich symmetrische Aufbau der Vorstadt wurde durch spätere Baumaßnahmen, wie z.B. die Schließung der Baulücke gegenüber der Uhlandstraße durch das Casinogebäude und die Aufstockung mehrerer Häuser empfindlich gestört.
Die Planung Hautts sah nie ein zentrales Gebäude als Sichtpunkt am Ende der Herzogstraße vor. Die Achse der Herzogsvorstadt war auf die Karlskirche ausgerichtet und lief nicht genau auf das Hofenfels´sche Wohnhaus zu, auf das der Blick fast zweihundert Jahre lang fiel, wenn man von der Schwarzbachbrücke in Richtung Norden schaute.
Sven Hedin bezeichnete die Herzogsvorstadt als eine der schönsten Platzanlagen in Europa.

Herzogsvorstadt von Zweibrücken
Bildbeschreibung
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