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Zweibrücken

Tschifflick

Da die Stadt Zweibrücken, die sich von den Zerstörungen des 17. Jahrhunderts erst langsam wieder erholte, keinen repräsentativen Wohnsitz für die polnische Königsfamilie im Exil aufweisen konnte, ließ sich Stanislaus Leszczynski ab 1715 vor den Toren der Stadt, im Ehrwoog, einen Landsitz errichten. Den Namen Tschifflick (türk. Landhaus) hat Stanislaus aus seinem vorherigen Exilort, dem damals türkisch besetzten Fürstentum Moldau (heute Moldawien), mitgebracht.

Planer der Anlage war der schwedische Baumeister Jonas Erikson Sundahl, die Forschung geht jedoch davon aus, dass der König selbst viele eigene, z. T. auch exotische Ideen einbrachte. Tschifflick gilt als sein erstes wichtiges Bauprojekt, ihm sollten in seiner Zeit als Herzog von Lothringen viele weitere folgen.

Architektur und Gartenanlage von Tschifflick waren in einer einzigartigen, einheitlichen Komposition zusammengefügt. Sie gelten als herausragendes Beispiel barocker Gartenarchitektur. Die Pavillons waren im Stil der polnischen Landgüter aus Holz. Das konkav geschwungene Dach des Hauptgebäudes weist Stanislaus als einen Wegbereiter der Chinabegeisterung im 18. Jahrhundert aus. Mit dem idealisierten fernen Osten wurden damals vor allem Glücksvorstellungen assoziiert. Die Terrassen-Anlage von Tschifflick eignete sich hervorragend zur Inszenierung einer barocken Festkultur. Der den Hauptterrassen gegenüberliegende „Trompetenhügel“ diente als Musikantentribüne.

Als Stanislaus Leszczynski 1719 Zweibrücken verließ, waren die Pläne noch nicht vollständig realisiert. Ihre Fertigstellung (1727/28) verdankt die Anlage Herzog Gustav Samuel Leopold, der hier ein Kurbad etablieren wollte, was aber nur kurzzeitig gelang.

Herzog Christian IV. aktivierte die schon zerfallene Anlage, indem er sie in einen Landschaftsgarten verwandelte, der aber durchaus noch einige der älteren Stilelemente enthielt. Zu jener Zeit wurde die Anlage als Fasanerie genutzt, was zur heutigen Bezeichnung führte.

Die Gebäude von Tschifflick wurden 1794 von den französischen Truppen endgültig zerstört, das Gelände im 19.Jahrhundert vom Gestüt genutzt. Im 20. Jahrhundert baute die Stadt am westlichen Abschluss der Anlage ein Ausflugslokal aus dem das heutige Romantikhotel hervorgegangen ist. Die Stadt Zweibrücken plant zurzeit die grundlegende Sanierung der Gartenanlage von Tschifflick.

Bildbeschreibung
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